In den letzten Jahren waren wir vermehrt aufgefordert, klar Stellung zu beziehen bzw. unsere Haltung zu überprüfen und auch dafür einzustehen. Ich nehme wahr, dass wir Menschen derzeit nochmals aufgefordert sind genau zu prüfen, was wir hier eigentlich tun, mit wem und wofür.
Ich spüre immer klarer, dass ich nur noch Dinge machen will, mit denen ich zu 100% in Resonanz gehe. Dass ich nur noch mit Menschen zusammen arbeiten will, mit denen es Spass macht und wo ich spüre, dass eine Wertschätzung (auf allen Ebenen!) da ist. Ich mag nichts halbherzig tun und schon gar nicht, wenn der Antrieb auf etwas ausgerichtet ist, das mir in Zukunft eventuell irgendwelche Vorteile bringen könnte.
Aus diesem Grund bin ich z.B. vor 4 Jahren aus dem Schweizer Yogaverband ausgetreten. Ich habe mehrmals bizarre Erfahrungen gemacht mit den Menschen dort und gemerkt, dass da so viel „Vetternwirtschaft“ betrieben wird und es nicht um die Sache geht. Es hat sich einfach nicht ehrlich und stimmig angefühlt.
Letztes Jahr bin ich auch aus dem Deutschen Yogaverband ausgetreten. Ich fühlte mich als Yogalehrerin nicht unterstützt und mag diese alten, verkrusteten Strukturen auch nicht mehr nähren.
Der nächste Schritt ist jetzt der Ausstieg aus der Yoga Alliance. Ich mache das nach und nach. Wisst ihr, es ist schon interessant: ich habe in den vergangenen Jahren mit so vielen Kolleginnen und Kollegen gesprochen, die Yogaausbildungen anbieten im deutschsprachigen Europa und Yoga Alliance anerkannt sind. „Alle“ wettern über diesen Verband. Und doch sind „alle“ dabei. Sie haben das Gefühl, dass es wichtig sei, dabei zu sein. Dass sie potenzielle Schüler/innen verlieren, wenn sie nicht Yoga Alliance akkreditiert sind.
Ich weiss nicht, wieviele hunderte Menschen ich in den vergangenen 20, 30 Jahren ausgebildet habe im Yoga. Viele. Gerade eine Handvoll hat sich nach der Ausbildung auch bei der Yoga Alliance angemeldet. Für meine eigene Akkreditierung als Yogalehrerin und für all die Ausbildungen, die ich anbiete über BodyMindSpirit bezahle ich jährlich knapp 1000.-. Ich frage mich: wofür eigentlich?!
Im März beginnt meine 300 Stunden Ausbildung, die ich zusammen mit Kinga von Yoga Grenzenlos in Kreuzlingen, voller Freude kreiert habe. Wir haben sie bewusst nicht von der Yoga Alliance akkreditieren lassen. Unser Yoga Teacher Training erfüllt das Höchstmass an Qualität – dafür stehen unsere Namen.
Unsere langjährige Erfahrung hat gezeigt, dass für uns in Europa die Mitgliedschaft in einem amerikanischen Verein ausschließlich Bürokratie und Kosten verursacht und keinen Mehrwert für die Yogalehrenden mitbringt. Meine Erfahrung der vergangenen Jahre hat zudem gezeigt, dass es vielmehr zählt, bei WEM jemand eine Yoga-Ausbildung gemacht hat, was für eine Reputation und welches Standing dieser Mensch, diese Schule in der deutschsprachigen Yogaszene hat.
Deshalb haben wir uns entschieden einzustehen für unsere Sichtweise, unsere Werte und dafür, nicht etwas zu machen, wovon wir in der Tiefe unserer Herzen nicht überzeugt sind.
Manche sagen, es brauche Mut für so einen Schritt. Ich sage, es ist höchste Zeit, dass wir anfangen ehrlich zu uns selbst und anderen zu sein und dass wir nicht aus Angst Dinge machen, die nicht stimmig sind und hinter denen wir nicht stehen.
Was nährst du noch, obwohl du in der Tiefe spürst, dass es ungünstig ist?
