Unterschied zwischen streitbar und umstritten

Früher wurden Menschen, die den Mut hatten, klar für eine Sache einzustehen „streitbar“ genannt. Heute wird ihnen oft das Label „umstritten“ angehängt. Mit welcher Konsequenz?

In der Gegenüberstellung dieser beiden Begriffe – streitbar & umstritten – erkennen wir so viel von dem, was heute in kontroversen Debatten schief läuft.

Zu den beiden Begriffen:

„Streitbar“ bezeichnet eine Person, die bereit und fähig ist, für ihre Meinung oder Überzeugung einzutreten und sich aktiv an Diskussionen oder Auseinandersetzungen zu beteiligen. Das kann durchaus ungemütlich sein. Trotzdem hat das Wort eine eher positive Konnotation, da es eine Haltung ausdrückt, die entschlossen und furchtlos ist.

„Umstritten“ beschreibt etwas, das Gegenstand von Kontroversen oder Diskussionen ist, bei dem es unterschiedliche Meinungen gibt. Es kann auf eine Person, eine Meinung, eine Entscheidung oder ein Thema angewendet werden. Dieser Begriff hat eher eine neutrale oder manchmal auch negative Konnotation.

Menschen, die aufrütteln, unbequem und herausfordern mit ihrer Sicht waren, wurden früher als „polarisierend“ und „streitbar“ bezeichnet. Heute bekommen sie das Label „umstritten“. Merkst du, dass dadurch eine Abwertung geschieht?

Für mich ist es so: „streitbar“ beschreibt einen Menschen, der bereit ist, sich für die eigenen Überzeugungen einzusetzen. „Umstritten“ beschreibt eine Sache, über die unterschiedliche Meinungen bestehen und die kontrovers diskutiert wird.

Wenn das Wort „umstritten“ für einen Menschen verwendet wird und zudem doch mit Begriffen des heute gängigen, zeitweise propagandaartigen, medialen Wortschatzes flankiert wird (ich verzichte bewusst auf Beispiele), dann haben wir ein „Framing“ par éxellence. Der Mensch wird diskreditiert, eine konstruktive Diskussion nahezu verunmöglicht.