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Sommer. Sonne. Sonnencreme.

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Viele von uns haben gelernt, dass Sonne vor allem gefährlich ist. Kaum wird es warm, cremen wir uns ein. SPF 30. SPF 50. Möglichst viel, möglichst oft. Die Sonne wird zu etwas, vor dem wir uns schützen müssen. Und doch frage ich mich manchmal, ob wir dabei vergessen haben, dass unser Körper seit Jahrtausenden in Beziehung zur Sonne lebt. Ich meine nicht die grelle Mittagssonne oder ein stundenlanges Sonnenbaden, bis die Haut brennt. Sondern das sanfte Licht am Morgen. Ein paar Minuten Sonne auf der Haut. Denn unsere Haut ist ein lebendiges Organ, das Licht aufnimmt und darauf reagiert: sie passt sich an.

Wenn Sonnenlicht auf die Haut trifft, bildet der Körper Vitamin D – ein Stoff, der für Knochen, Immunsystem, Stimmung und viele Stoffwechselprozesse wichtig ist. Für diese Bildung braucht es UVB-Strahlung. Genau diese Strahlung wird durch Sonnencreme zum Teil blockiert. Sonnencreme kann die Vitamin-D-Produktion deutlich reduzieren. Neuere Studien zeigen, dass besonders eine tägliche, grossflächige Anwendung von hohem Lichtschutzfaktor die Vitamin-D-Bildung verringern kann. (endocrinepractice.org)

Ich plädiere auf mehr Vertrauen in den Rhythmus des Körpers und die Kraft der Natur. Ein paar Minuten Sonne auf unbedeckter Haut. Kurz. Sanft. Im Schatten oder in der milden Sonne des Morgens oder späten Nachmittags. So, dass die Haut Licht aufnehmen kann, ohne zu überhitzen. Denn der Körper bildet mit der Zeit auch seinen eigenen Schutz: Melanin. Dieses Pigment schenkt der Haut ihre Bräune und hilft ihr, UV-Strahlung besser zu vertragen. Wer sich langsam und regelmässig an die Sonne gewöhnt, entwickelt oft eine grössere Widerstandskraft. Die Haut lernt. Sie erinnert sich. Sie baut Schritt für Schritt ihren natürlichen Schutz auf.

In der Naturheilkunde habe ich oft einen Satz gehört, der mich nachdenklich macht: «Würdest du das, was du dir auf die Haut schmierst, auch essen?» Ich finde, das ist ein interessanter Leitgedanke! Denn viele Stoffe (auch Feuchtigkeitscrèmes, Bodylotions, Parfum), die wir auftragen, können über die Haut aufgenommen werden und gelangen so in den Körper. Nicht alles dringt gleich tief ein. Nicht jede Creme wird in gleichem Mass aufgenommen. Und doch ist die Haut durchlässiger, als wir denken.

Gerade deshalb lohnt es sich, genauer hinzuschauen, was wir auf unsere Haut geben. Einige Sonnencremes – vor allem bestimmte Sprays – enthielten in den letzten Jahren Benzol, einen Stoff, der als krebserregend gilt. Benzol gehört nicht in Sonnencreme. Es wurde vermutlich durch Herstellungsfehler oder Verunreinigungen eingebracht. Mehrere Produkte, z.B. von Neutrogena, wurden deshalb zurückgerufen. Besonders betroffen waren Spray-Produkte. (fda.gov). Auch andere Inhaltsstoffe stehen seit Jahren in der Kritik, etwa Oxybenzon oder Octinoxat. Sie werden mit hormonähnlichen Wirkungen und Umweltproblemen in Verbindung gebracht.

Das heisst für mich nicht, Sonnencreme grundsätzlich zu verteufeln. Sie kann sinnvoll sein – wenn wir lange draussen sind, am Meer, in den Bergen, in der Mittagssonne oder wenn die Haut sehr empfindlich ist. Doch vielleicht geht es auch hier darum, bewusster zu wählen. Mineralische Sonnencremes mit wenigen, klaren Inhaltsstoffen. Keine Sprays. Keine Duftstoffe. Und davor: einige Minuten Licht auf der Haut. Nicht stundenlang. Nicht in der Mittagshitze. Sondern kurz. Im Schatten. Im Morgenlicht. Gerade so lange, dass der Körper sich erinnern und sich anpassen kann.