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Zurück in die 80-er?

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Kürzlich las ich auf Social Media eine Frage, die mich unerwartet traf:

„Wenn du dich in die 80er-Jahre zurückbeamen und dort bleiben könntest – würdest du es machen?“

Es gab keine weiteren Erklärungen dazu. Keine Hinweise darauf, ob man das Wissen über die Zukunft behalten würde. Keine Überlegungen dazu, wie alt man dort wäre oder welche Lebensumstände man hätte.

Und dennoch war meine spontane Antwort ein unmittelbares Ja.

Erst später setzte der Verstand ein. Ich begann zu differenzieren und abzuwägen. Seither beschäftigt mich diese Frage. Nicht so sehr, weil ich tatsächlich in die 80er-Jahre zurück möchte. Sondern weil ich verstehen wollte, was dieses spontane Ja in mir berührt hat.

Wonach sehnt sich etwas in mir? Welche Qualität verbinde ich mit dieser Zeit?

Je länger ich darüber nachsinne, desto klarer wird mir, was es war. Eine Atmosphäre. Ein Lebensgefühl. Eine bestimmte Art, in der Welt zu sein.

Ich erinnere mich an das Gefühl, einen Menschen wirklich zu vermissen, weil man nicht jederzeit Kontakt aufnehmen konnte. An Momente, die einfach nur erlebt wurden, ohne dass jemand sie fotografierte, um sie dann auf Social Media zu posten.

Das Leben war langsamer. Es hatte mehr Zwischenräume. Mehr Leere. Mehr Ungeplantes. Mehr Langeweile vielleicht auch. Und genau darin lag etwas Kostbares. Aus dieser Leere entstanden Fantasie, Kreativität, Begegnung und Tiefe.

Es gab kein Internet und keine Smartphones. Kein zwischendurch mal schnell auf Social Media scrollen. Suchte man nach einer Antwort, diskutierte man oder fragte sich durch. Man war weniger damit beschäftigt, Informationen zu konsumieren, und häufiger damit, Erfahrungen zu machen.

Vielleicht ist es genau das, wonach ich mich sehne. Nach einer Welt, in der Aufmerksamkeit noch nicht die wichtigste Handelsware war. Nach einer Zeit, in der nicht jede freie Minute gefüllt werden wollte. Nach einer Zeit, in der ich mir keine Gedanken darüber machte, ob ich wieder mal was auf Social Media posten sollte. Nach einem Leben, das sich stellenweise langsamer entfaltet hat.

Je länger ich dieser Sehnsucht lauschte, desto deutlicher wurde mir etwas anderes: Die eigentliche Frage lautet gar nicht, ob ich zurückgehen würde. Die spannendere Frage lautet:

Wie kann ich die Qualitäten, die ich vermisse, heute leben?

Denn selbst wenn eine Zeitmaschine existieren würde – sie würde mir letztlich nur zeigen, was ich im Herzen bereits weiss. Dass bestimmte Erfahrungen nicht an eine Epoche gebunden sind. Sie entstehen durch die Art, wie wir leben.

Wenn es dir ähnlich wie mir geht, können wir ganz praktische Konsequenzen daraus abzuleiten. Wenn ich die Langsamkeit der damaligen Zeit schätze, kann ich heute wieder Räume schaffen, in denen nichts geschehen muss. Ich kann damit beginnen, nicht alles zu füllen mit «to-do’s». Ein Spaziergang ohne Podcast. Ein Abend ohne Bildschirm. Eine Zugfahrt ohne Ablenkung.

Wenn ich die Tiefe der Begegnungen vermisse, kann ich Menschen wieder öfter anrufen, statt nur Nachrichten zu schreiben. Ich kann Besuche planen. Zusammen essen. Gemeinsam schweigen.

Wenn ich die Kreativität vermisse, die aus der Langeweile entstand, kann ich aufhören, jede freie Minute mit Input zu füllen oder mein Handy rausholen und gedankenverloren scrollen.  Ich kann wieder zeichnen, schreiben, Musik spielen oder hören oder einfach aus dem Fenster schauen.

Wenn ich die Verbundenheit mit der Natur vermisse, kann ich öfter barfuss gehen, den Jahreszeiten lauschen, einen Garten pflegen oder den Himmel betrachten, ohne dabei gleichzeitig etwas anderes zu tun.

Und wenn ich die innere Ruhe vermisse, die ich mit jener Zeit verbinde, dann darf ich mich immer wieder fragen:

Womit nähre ich meine Aufmerksamkeit?

Denn Aufmerksamkeit ist Lebenszeit. Dort, wo sie hingeht, entfaltet sich meine Welt. Meine Antwort liegt also nicht darin, in die Vergangenheit zurückzukehren, in eine Zeit vor dem Internet und Smartphones. Sie liegt darin, jene Qualitäten bewusst in die Gegenwart einzuladen. Mehr Präsenz. Mehr Einfachheit. Mehr echte Begegnung. Mehr Zeit für das Wesentliche. Mehr Leben zwischen den Terminen. Mehr Himmel zwischen den Gedanken.

Mein spontanes Ja war gar keine Sehnsucht nach den 80ern. Es ist vielmehr die Sehnsucht nach einem Leben, das sich wieder etwas unmittelbarer anfühlt. Und genau dort wird es spannend. Denn dann wird aus nostalgischer Sehnsucht eine praktische Frage: Wie möchte ich heute leben? Wofür möchte ich meine Aufmerksamkeit verwenden? Welche Rituale nähren jene Qualität, nach denen ich mich sehne?