Wenn man eine Nabelschnur wirklich vollständig auspulsieren lässt, wenn sie ihre Aufgabe vollständig erfüllt hat, ist sie weiss, weich und fast durchsichtig geworden. Ein Zeichen dafür, dass alles, was das Kind noch gebraucht hat, bei ihm angekommen ist. Blut, Sauerstoff, Immunzellen, Kraft. Nicht auf einmal, sondern in einem natürlichen Übergang, der sich selbst vollendet.
So ist es von der Natur vorgesehen. Der Moment der Geburt endet nicht mit dem ersten Atemzug. Er setzt sich fort in dieser stillen, unscheinbaren Verbindung zwischen Mutter und Kind, die noch eine Zeit lang weitergibt, was zum Ankommen im Leben gehört. Es ist ein sanftes hinübergleiten. Langsam, fliessend, gewaltfrei.
Und doch erleben wir in vielen Kliniken etwas anderes. Die Nabelschnur wird kurz nach der Geburt abgeklemmt und durchtrennt. Es geschieht schnell, routiniert, oft ohne dass wirklich Raum entsteht, diesen Moment bewusst wahrzunehmen. Eltern wird gesagt, dass es so üblich ist, dass es sicher ist, dass es keinen Unterschied macht.
Doch wenn wir einen Schritt zurücktreten und genauer hinschauen, öffnet sich eine andere Perspektive. Durch die Nabelschnur fliesst nicht einfach „Restblut“. Es ist ein wesentlicher Teil des kindlichen Blutvolumens, angereichert mit Sauerstoff, mit Immunzellen, mit Eisen und mit Stammzellen, die für Wachstum und Regeneration eine zentrale Rolle spielen. Dieses Blut ist kein Überbleibsel. Es ist Teil eines Prozesses, der darauf ausgelegt ist, sich in Ruhe zu vollenden.
Dieser Prozess wird in den Kliniken heute oft unterbrochen. Ob aus Gewohnheit oder Anordnung «von oben» lasse ich mal offen. Es ist wichtig zu verstehen: dieses Blut in der Nabelschnur (wie auch die Plazenta!) sind von grossem Interesse für medizinische und wirtschaftliche Nutzung. Etwas, das das Immunsystem des Kindes auf natürliche Art stärkt, wird frühzeitig unterbrochen. Warum? Weil Plazenta und Nabelchnur voller Stammzellen sind und für teueres Geld verkauft werden – für Pharma, Forschung, Kosmetik. Weil man Eltern sagt, es sei „medizinischer Abfall“, während im Hintergrund andere daran verdienen. Auch das gehört zur Realität, in der wir uns bewegen.
Dieser Post ist eine Einladung, genauer hinzuspüren. Was geschieht eigentlich, wenn wir Momente, wie diesen, wegrationalisieren? Was bedeutet es für ein Kind, wenn es diesen Übergang vollständig erleben darf? Wenn es nicht mir der ganzen Kraft versorgt wird, die ihm zusteht?