Lucia Nirmala Schmidt über ChiYoga

Lucia Nirmala, wie kam es dazu, dass du einen neuen Yoga-Stil entwickelt hast?
«Als ich Anfang der 90-er Jahre begonnen habe, Yoga zu praktizieren, gab es noch keinen Flow-Yoga Stil, kein Vinyasa Yoga. Das ist heute kaum noch vorstellbar. Es waren v.a. die klassisch indischen Stile wie Hatha Yoga, Iyengar Yoga und Sivananda Yoga, die im deutschsprachigen Europa sehr verbreitet waren. In diesen Stilen werden die Asana zum Teil sehr lange statisch gehalten. Ist man den ganzen Tag einer Arbeit nachgegangen, bei der man viel gesessen ist, kann dieses statische Üben dazu führen, dass man sich in der Haltung versteift und verkrampft, was zu Härte führen kann. Ich habe dieses strenge statische Üben immer als sehr unlebendig und unnatürlich erlebt.»

Wie würdest du ChiYoga umschreiben?
«Der Schwerpunkt bei diesem Yogastil liegt bei der Umsetzung der Tantrischen Philosophie in die Yoga-Praxis. Spanda, ein zentraler Begriff des Kashmirschen Shivaismus (insbesondere der Spanda- und Pratyabhijña-Tradition, bezeichnet die erste Vibration, aus welcher sich das Universum entfaltet hat. Materie und Energie organisieren sich im gesamten Universum nach den Gesetzmässigkeiten von Puls, Welle und Spirale. Die Flows im ChiYoga sind gekennzeichnet durch weit ausgedehnte, sanft-elastische und rund-spiralförmige Bewegungen. Das gedrehte, spiralförmige Ausdehnen unterstützt die natürliche Struktur von Faszien, Muskeln, Sehnen, Knochen und Blutgefässen, die fast alle in sich gedreht sind. Die wellen- und spiralförmigen Bewegungen aktivieren die physiologischen Funktionen auf subtile Weise.»

Für wen ist ChiYoga geeignet?
«Wir wissen heute, dass ein Frauenkörper anders reagiert, als ein männlicher Körper. Nun ist es aber so, dass die meisten Yoga-Stile und Meditationspraktiken von Männern für Männer entwickelt wurden. Sie orientieren sich an den Bedürfnissen, Möglichkeiten und Zielen eines männlichen Körpers und eignen sich deshalb nicht vorbehaltlos für Frauen. Und bei uns im Westen finden sich hauptsächlich Frauen in den Yoga Kursen! Ich glaube, diese Diskrepanz habe ich in den 90-er Jahren wahrgenommen und instinktiv nach einer anderen Art des Praktizierens von Yoga gesucht. So ist ChiYoga entstanden.»

Welche Philosophie steht hinter ChiYoga?
«Es liegt mir am Herzen, den Weg dorthin zurück zu finden, wo wir, unabhängig von äusseren Umständen, Freude und Glück erfahren können. Auf dem Weg zurück zur Natürlichkeit werden wir erkennen, dass wir uns dabei mit unseren vielschichtigen Prägungen im Weg stehen: Mit unserem Intellekt, unseren Konzepten, unsere Werten, Vorstellungen, Erwartungen, Präferenzen, Abneigungen und Ängsten. Der Yoga, so wie ich ihn unterrichte, eröffnet die Möglichkeit, den Hindernissen so viel Raum zu geben, dass sich die Enge um die Konzepte entspannen und sich die Verkrampfung lösen kann und wir uns endlich so erfahren können, wie wir sind – frei, wild, kreativ und voller Freude und Liebe.»

Welche Rolle spielt bei ChiYoga der Atem?
«Im ChiYoga stehen der freie Atem und das Aufgehen im Spürsinn im Zentrum der Praxis. Auf dem Faden der Atmung gewoben, getragen von Achtsamkeit und Feingefühl, tauchen wir mit allen Sinnen in den Körper ein und kultivieren eine Aufmerksamkeit, die sich ausdehnt und die aufhört, zu kommentieren und zu beurteilen, was sich zeigt. Dies führt ganz allmählich in eine unmittelbare Präsenz, in der sich Gefühle wie Frieden, Freude, Glück, Freiheit, Einssein oder Verbundenheit spontan und natürlich entfalten können.»

Was macht ChiYoga so einzigartig?
«ChiYoga ist geprägt durch meine Erfahrungen. Mit diesem Yoga Stil führe ich Ost und West zusammen und stelle ihn in einen allumfassenden Kontext. Eines meiner Ziele ist es, die Essenz der zeitlosen Yoga-Lehren in einer lebendigen, alltagsnahen und verständlichen Sprache weiterzugeben, damit sie bewusst in den Alltag und ins Leben integriert werden können. Musik, Freude und Leichtigkeit gehören für mich genauso zum Unterricht wie Achtsamkeit, Kraft und Stille.»
www.chiyoga.ch

Stimmen zu BodyMindSpirit

Bei all meinen vielen Aus- und Weiterbildungen bei dir schätzte ich ganz besonders deine grossartige fachliche Kompetenz!
Karin